Warum Katzen schnurren
Kaum ein Geräusch ist in einem Zuhause mit Katze so vertraut, und kaum eines ist so wenig verstanden. Die Forschung hat das Schnurren gemessen, aufgezeichnet und sogar im Labor zum Klingen gebracht. Sein Geheimnis hat es behalten.
KI-generiertEs beginnt, bevor Du es bemerkst. Sie hat sich an Deine Hüfte geschmiegt, die Lampe brennt schwach, und irgendwo unter Deiner Hand springt ein kleiner Motor an — nicht laut, eher gespürt als gehört, ein warmes Rollen, das aus ihrem ganzen Körper zugleich zu kommen scheint. Dein Atem wird langsamer, als wollte er mitgehen. Keine von Euch rührt sich. Von allen Lauten, die eine Katze kennt, hebt sie sich diesen für die allerkleinste Entfernung auf.
Menschen lieben dieses Geräusch, seit Katzen an unserer Seite leben. Weniger bekannt ist, wie schwer es sich erklären lässt: wie sie es macht — und wozu.
Was die Forschung gehört hat
Das Schnurren entsteht im Kehlkopf, beim Einatmen wie beim Ausatmen. Messungen aus den 1970er- und frühen 1990er-Jahren führten den Laut zum Kehlkopf zurück: Die Stimmlippen schließen und öffnen sich viele Male in der Sekunde, und die Luft, die sich an der kurz verschlossenen Stimmritze staut und wieder freikommt, bringt alles ins Schwingen (Remmers & Gautier, 1972; Frazer Sissom et al., 1991). Anders als beim Miauen gibt es keine Pause zwischen den Atemzügen. Das Schnurren läuft weiter, während sie einatmet und während sie ausatmet. Deshalb scheint es weder Anfang noch Ende zu haben.
Sein Takt ist erstaunlich tief. Eine Hauskatze schnurrt mit etwa zwanzig bis dreißig Schwingungen pro Sekunde — tiefer als die tiefste Saite eines Cellos, und das mit Stimmlippen, die kaum größer sind als ein Fingernagel. 2023 untersuchte ein Wiener Team die Kehlköpfe von acht Katzen im Labor und leitete Luft hindurch. Ganz ohne Signal aus dem Gehirn und ohne dass sich ein Muskel zusammenzog, begann das Gewebe im Schnurrtakt zu schwingen (Herbst et al., 2023). In den Stimmlippen fanden die Forschenden kleine Polster aus weichem Bindegewebe, bis zu vier Millimeter groß. Vielleicht sind sie es, die ein so kleines Instrument so tief klingen lassen. Die ältere Erklärung, nach der ein rhythmischer Impuls aus dem Gehirn die Kehlkopfmuskeln antreibt, ist damit nicht widerlegt. Die ganze Geschichte erzählt sie aber offenbar nicht.
Auch die wilden Verwandten schnurren in einem weiten Klangband. Eine akustische Erhebung an 44 Tieren aus fünf Arten — Gepard, Ozelot, Puma, Serval und Hauskatze — fand bei allen kräftige Frequenzen zwischen 25 und 150 Hertz (von Muggenthaler, 2001). Die Autorin ging noch einen Schritt weiter: Weil manche dieser Frequenzen denen ähneln, die in der Vibrationstherapie eingesetzt werden, könnte das Schnurren die Heilung von Knochen und Gewebe unterstützen. Ein schöner Gedanke. Vorgestellt wurde er als Kongressbeitrag, an Katzen geprüft wurde er nie, und so bleibt er eine Hypothese.
Manches Schnurren trägt einen verborgenen Ruf in sich. An der University of Sussex baten Karen McComb und ihr Team Halter:innen, ihre Katzen in zwei Momenten aufzunehmen: wenn sie ums Frühstück baten und wenn sie entspannt waren und nichts wollten. Im bittenden Schnurren lag über dem tiefen Brummen ein hoher, stimmhafter Ton, in einem Frequenzbereich nah am Weinen eines Säuglings. Fünfzig Zuhörende empfanden diese Aufnahmen als dringlicher und weniger angenehm, auch jene, die nie mit einer Katze gelebt hatten. Filterte man den hohen Anteil heraus, verlor sich die Dringlichkeit (McComb et al., 2009). Sie scheint einen Weg gefunden zu haben, den ältesten Teil unserer Aufmerksamkeit zu erreichen.
Schnurren ist mehr als Wohlbehagen. Kitten schnurren fast von Geburt an, schon beim Saugen. Katzen wurden schnurrend beim Gebären beobachtet, und hin und wieder auch dann, wenn es ihnen nicht gut geht oder sie Schmerzen haben (Chaire bien-être animal, VetAgro Sup, 2022). Tierärztliche Fachleute zählen das Schnurren zu den Verhaltensweisen, die bei Schmerzen vorkommen können, nennen es aber selten und für sich allein wenig aussagekräftig (Merola & Mills, 2016). Das Schnurren wirkt deshalb weniger wie eine einzelne Botschaft als wie eine Art, nah zu sein — einer anderen Katze, einem Menschen, vielleicht auch sich selbst.
Wenn Du selbst hinhörst
Wenn sie sich das nächste Mal an Dich schmiegt, leg die flache Hand an ihre Flanke oder die Wange in die Nähe ihres Halses und schließ die Augen. Spür nach, wo das Schnurren am stärksten ist: an der Kehle, in der Brust, im Bauch. Achte darauf, ob es sich verändert, wenn Deine Hand stillhält oder wenn sie langsam in den Schlaf gleitet. Und wenn es morgens am Futterplatz eine Spur drängender klingt als abends unter der Lampe, hörst Du genau das, was die Zuhörenden in Sussex gehört haben. Dein Ohr täuscht Dich nicht.
Was ihr gehört
Wir wissen, wo das Schnurren entsteht, wie schnell es ungefähr schwingt und dass es eine Bitte in sich tragen kann. Warum es entstanden ist und wie es sich von innen anfühlt — ob es sie so beruhigt wie uns —, weiß niemand mit Sicherheit. Diese Fragen sind offen. Dieser Teil gehört ihr.
Die Forschung legt nahe, sie beweist nicht. Die Kehlkopfstudie untersuchte acht Katzen, die Studie zum bittenden Schnurren nahm zehn auf, und die Frequenzerhebung ist ein Kongressbeitrag, keine begutachtete Veröffentlichung. Kleine Zahlen, sorgfältige Befunde, viele offene Fragen.
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Quellen
- Remmers, J. E. & Gautier, H. (1972). Neural and mechanical mechanisms of feline purring. Respiration Physiology, 16(3), 351–361.
- Frazer Sissom, D. E., Rice, D. A. & Peters, G. (1991). How cats purr. Journal of Zoology, 223(1), 67–78.
- Herbst, C. T., Prigge, T., Garcia, M., Hampala, V., Hofer, R., Weissengruber, G. E., Švec, J. G. & Fitch, W. T. (2023). Domestic cat larynges can produce purring frequencies without neural input. Current Biology, 33, 4727–4732.
- von Muggenthaler, E. (2001). The felid purr: A healing mechanism? Journal of the Acoustical Society of America, 110, 2666 (meeting abstract).
- McComb, K., Taylor, A. M., Wilson, C. & Charlton, B. D. (2009). The cry embedded within the purr. Current Biology, 19(13), R507–R508.
- Chaire bien-être animal, VetAgro Sup (2022). A purring cat is a happy cat: true or false? Fact sheet (chaire-bea.vetagro-sup.fr).
- Merola, I. & Mills, D. S. (2016). Behavioural signs of pain in cats: an expert consensus. PLoS ONE, 11(2), e0150040.
Allgemeine Information, keine tierärztliche Beratung. Die Katzenfotos auf dieser Seite sind mit KI erzeugt.