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Seele & Bindung · 4 Min.

Warum Katzen Milchtritt machen

Das langsame Treten ihrer Pfoten, links, rechts, die Krallen öffnen und schließen sich wie eine Blüte: Gelernt hat sie es in ihren ersten Lebenstagen. Dass sie es Dir noch Jahre später schenkt, erzählt eine leise, schöne Geschichte.

Ein cremefarbenes Kätzchen sitzt auf einer weichen WolldeckeKI-generiert

Sie kommt am Abend, steigt auf Deinen Schoß, und bevor sie sich hinlegt, fängt sie an: eine Pfote, dann die andere, in langsamem, gleichmäßigem Takt drückt sie in die Decke über Deinen Knien. Die Augen werden schmal. Manchmal öffnen und schließen sich die Krallen bei jedem Tritt, manchmal setzt darunter ein Schnurren ein, und hin und wieder — wenn sie ganz versunken ist — zeigt sich ein kleiner feuchter Fleck an ihrem Mundwinkel. Dann, als hätte irgendwo eine Uhr geschlagen, dreht sie sich einmal um sich selbst und legt sich hin.

Im Deutschen hat diese Bewegung einen eigenen, zärtlichen Namen: Milchtritt. In ihm steckt schon die ganze Geschichte.

Was die Forschung weiß

Es beginnt am Bauch der Mutter. In den ersten Lebenstagen sind die Augen eines Kittens noch geschlossen, und den Weg zur Zitze findet es über den Geruch. Kitten scheinen sogar ihre ganz eigene Zitze am Duft wiederzuerkennen (Arteaga et al., 2013). Dort angekommen, drückt das Kleine beim Saugen mit den Vorderpfoten. Tierärzt:innen und Verhaltensforschende beschreiben dieses Treten als Weg, den Milchfluss anzuregen (AAHA, 2024; Bartels, Scientific American). Und genau dort, in der weichen Rinne zwischen den beiden Zitzenleisten, beginnen wenige Tage nach der Geburt Drüsen einen Duft abzugeben, der Kitten wie erwachsene Katzen offenbar beruhigt (Pageat & Gaultier, 2003). Der Milchtritt gehört zu den allerersten Dingen, die eine Katze mit ihren Pfoten tut.

Sie nimmt ihn mit ins Erwachsenenleben. Die meisten Verhaltensweisen aus der Kittenzeit verblassen mit den Jahren. Der Milchtritt oft nicht. Verhaltensforschende vermuten, dass er zu den Gesten gehört, die Hauskatzen aus ihrer Kindheit bewahren — in der Biologie spricht man von Neotenie —, und dass er immer dann auftaucht, wenn sie sich fühlt wie damals: warm, gehalten, sicher (Bartels, Scientific American). Man begegnet ihm auf weichen Decken, auf Schößen, bei den Menschen, die sie sich ausgesucht hat.

Ihre Pfoten hinterlassen eine Handschrift. In den Ballen und in der Haut zwischen den Zehen einer Katze liegen Drüsen, die Duftstoffe abgeben (Pageat & Gaultier, 2003). Jeder Tritt könnte also eine Spur von ihr auf dem hinterlassen, was sie knetet — für uns unsichtbar, für sie lesbar. Manche Fachleute halten es für möglich, dass der Milchtritt auch dazu dient, einen Ort oder einen Menschen nach Zuhause riechen zu lassen. Ein schöner Gedanke, und bis heute eine Hypothese.

Vor allem gehört er zum Wohlbehagen. Tierärztliche und verhaltenskundliche Fachleute deuten den Milchtritt in den allermeisten Fällen als Zeichen einer Katze, die sich wohl und geborgen fühlt — oft begleitet von Schnurren, manchmal von jenem seligen kleinen Speichelfaden (Bartels, Scientific American; AAHA, 2024). Wie das Schnurren scheint er weniger ein Wort zu sein als ein Zustand.

Wenn sie auf Dir tritt

Du musst nichts tun. Sind die Krallen mit im Spiel, leg Dir eine gefaltete Decke auf den Schoß, dann könnt Ihr beide bleiben. Lass Deine Hand auf ihrem Rücken ruhen, statt zu streicheln, und spür, wie der Takt langsamer wird, während sie ankommt: Die Tritte werden leichter, seltener, bis sie ganz aufhören. Es ist ein Ritual des Ankommens. Und Du bist der Ort, an dem sie ankommt.

Was ihr gehört

Wir wissen, woher der Milchtritt kommt und was ihn meistens begleitet. Was sie dabei empfindet, wissen wir nicht — ob etwas von jener ersten Wärme zu ihr zurückkehrt oder ob der Rhythmus selbst das Tröstliche ist. Manche Erinnerungen behalten Katzen für sich. Dieser Teil gehört ihr.

Der Milchtritt ist so vertraut, dass er kaum je direkt untersucht wurde. Was wir wissen, stammt aus Beobachtungen an Kitten, aus dem Wissen über Duftdrüsen und aus der Erfahrung von Tierärzt:innen und Verhaltensforschenden, nicht aus kontrollierten Experimenten. Jede Deutung hier ist eine gut begründete Vermutung.

Weiterlesen: Warum Katzen schnurren

Quellen

  1. Arteaga, L., Bautista, A., González, D. & Hudson, R. (2013). Smell, suck, survive: chemical signals and suckling in the rabbit, cat, and dog. In M. L. East & M. Dehnhard (Eds.), Chemical Signals in Vertebrates 12 (pp. 51–59). Springer.
  2. American Animal Hospital Association (2024). Why do cats knead? Pet owner resource (aaha.org).
  3. Bartels, M. Why do cats knead like they’re making biscuits? Scientific American (online), with Leticia Fanucchi, Kristyn Vitale and Susan Nelson.
  4. Pageat, P. & Gaultier, E. (2003). Current research in canine and feline pheromones. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice, 33, 187–211.

Allgemeine Information, keine tierärztliche Beratung. Die Katzenfotos auf dieser Seite sind mit KI erzeugt.