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Rassen & Schönheit · 7 Min.

Die Norwegische Waldkatze: eine Katze aus den Wäldern der Sagen

Ein Fell, auf dem der Schnee liegen bleibt wie Puderzucker, Pinsel an den Ohren wie ein Luchs, und die Kunst, kopfüber einen Baumstamm hinabzusteigen: Die Norwegische Waldkatze kommt aus den Wäldern und Märchen des Nordens. Ein Porträt der stillen Königin der Fjorde.

Norwegische Waldkatze auf einem Holzsteg am FjordKI-generiert

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Stell Dir einen Fjord an einem Morgen im späten Oktober vor. Der Nebel liegt noch auf dem Wasser, die Berge tragen den ersten Schnee, und über einen alten Holzsteg kommt eine große, getigerte Katze auf Dich zu. Sie hat es nicht eilig. Ihr Schwanz steht aufrecht wie eine Fahne, die Krause um ihren Hals bauscht sich bei jedem Schritt, und als sie stehen bleibt, sieht sie Dich mit diesem ruhigen, wissenden Blick an, als hätte sie hier schon gewartet, lange bevor es den Steg gab.

In Norwegen nennt man sie skogkatt, die Waldkatze. Ein schlichter Name für ein Geschöpf, um das sich so viele Geschichten ranken wie um kaum eine andere Katze des Nordens.

Eine Katze aus den Sagen

Lange bevor es Zuchtbücher gab, lebte sie in den Märchen. Die norwegischen Volkserzählungen kennen Trollkatzen und Feenkatzen, die huldrekatt, große Tiere mit buschigem Schwanz, die mühelos Felswände hinaufsteigen, an denen jede andere Katze scheitern würde. Und wer an Freyja denkt, die nordische Göttin der Liebe und der Schönheit, sieht vielleicht ihren Wagen vor sich, gezogen von zwei Katzen. Die alten Texte verraten nicht, wie diese Katzen aussahen. Viele, die sich die Szene heute vorstellen, sehen trotzdem zwei prächtige Waldkatzen im Geschirr. Die ganze Geschichte erzählen wir in Freyjas Katzen.

Woher sie wirklich stammt, weiß niemand genau, und gerade darin liegt ein Teil ihres Zaubers. Vielleicht kamen ihre Vorfahren mit den Schiffen der Wikinger, als kurzhaarige Hofkatzen, die Mäuse von den Vorräten fernhielten. Vielleicht brachten Händler später langhaarige Katzen aus dem Osten mit. Sicher ist nur, was die Jahrhunderte daraus gemacht haben: Katzen, die in den Wäldern und auf den Höfen Skandinaviens lebten, durch Winter, in denen die Sonne kaum über den Horizont steigt, und die mit jeder Generation ein wenig mehr zu dem wurden, was wir heute bewundern.

Ein Fell, das den Regen abperlen lässt

Wenn Du eine Waldkatze im Schnee beobachtest, siehst Du ein kleines Wunder der Anpassung. Ihr Fell besteht aus zwei Schichten. Oben liegt ein langes, glänzendes Deckhaar, das Wasser abweisen kann, sodass Schneeflocken auf ihm liegen bleiben wie Puderzucker. Darunter liegt eine dichte, wollige Unterwolle, die die Wärme hält. Am dichtesten ist das Fell an Brust, Beinen und Kopf, genau dort, wo ein Körper im Wind am meisten Schutz braucht. Im Frühjahr wirft sie einen großen Teil dieser Wolle ab und trägt im Sommer ein leichteres Kleid. Im Herbst wächst die volle Pracht zurück, mit Krause, Hosen und einem Schwanz, der so lang ist wie ihr Körper.

Ihr Kopf hat die Form eines gleichseitigen Dreiecks, das Profil verläuft gerade von der Stirn bis zur Nasenspitze. Die Ohren sind groß, oft mit Pinseln an den Spitzen wie bei einem Luchs, und die großen, mandelförmigen Augen geben ihr diesen Ausdruck, den Liebhaber:innen der Rasse kaum beschreiben können. Wach, ruhig und ein wenig wild zugleich.

Kopfüber den Stamm hinab

Die meisten Katzen klettern einen Baum hinauf und kommen rückwärts wieder herunter, vorsichtig, eine Pfote nach der anderen. Die Waldkatze ist berühmt dafür, dass sie auch kopfüber hinabsteigen kann, die kräftigen Krallen tief in der Rinde, den Körper gestreckt am Stamm entlang. Wer ihr dabei einmal zugesehen hat, versteht, woher die alten Geschichten von Katzen kommen, die Felsen erklimmen, an denen sonst niemand Halt findet. Auch drinnen sucht sie die Höhe. Ein hoher, stabiler Kratzbaum ist für sie kein Möbelstück, sondern ein Aussichtsposten.

Norwegische Waldkatze klettert kopfüber einen verschneiten Stamm hinabKI-generiert

Ein ruhiges, freundliches Wesen

So wild sie aussehen mag, so sanft ist sie im Zusammenleben. Waldkatzen gelten als ausgeglichen, freundlich und anhänglich, ohne aufdringlich zu sein. Viele suchen die Nähe ihrer Menschen, folgen ihnen von Raum zu Raum und legen sich in die Nähe, ohne unbedingt auf dem Schoß liegen zu wollen. Sie spielen gern und lange, auch noch als ausgewachsene Katzen, und sie beobachten mit großer Geduld. Ein Fenster mit Blick auf Vögel kann für sie ein ganzer Nachmittag sein.

Sie lassen sich Zeit mit dem Erwachsenwerden. Ihre volle Größe und Statur erreichen viele erst mit drei bis fünf Jahren. Kater wiegen oft zwischen viereinhalb und neun Kilo, Kätzinnen zwischen dreieinhalb und acht. Mit einer Waldkatze zu leben heißt, einer langsamen Entfaltung zuzusehen, Winter für Winter.

Gerettet von Menschen, die sie liebten

Dass es die Norwegische Waldkatze heute noch gibt, verdankt sie einer Handvoll Menschen in Norwegen. In den 1930er-Jahren begannen sie, die Waldkatzen gezielt zu erhalten. Der Krieg unterbrach diese Arbeit, und danach drohten die besonderen Merkmale in der Mischung mit anderen Hauskatzen zu verschwinden. In den 1970er-Jahren nahm ein Zuchtprogramm die Arbeit wieder auf. Ein Kater namens Pans Truls, geboren 1973, wurde zum Vorbild für den ersten Rassestandard. 1977 erkannte die Fédération Internationale Féline (FIFe) die Rasse vollständig an. Noch im selben Jahr reisten die ersten Waldkatzen nach Schweden, 1979 in die USA. Oft hört man, König Olav V. habe sie zur norwegischen Nationalkatze erklärt. Ob das stimmt, lässt sich nicht belegen, und doch passt die Geschichte so gut zu ihr, dass sie immer wieder erzählt wird.

Bernstein, ein Geheimnis im Fell

Eine Farbe gehört fast nur ihr. In den 1990er-Jahren kamen in Schweden Kätzchen zur Welt, die zunächst wie schwarz oder braun getigerte Waldkatzen aussahen. Mit jedem Monat aber wurde ihr Fell wärmer, bis sie als Erwachsene in einem goldenen, honigfarbenen Ton leuchteten. Man nannte diese Farbe Amber, Bernstein. 2009 fanden Forscher:innen die Ursache: eine Variante im Gen MC1R, die das dunkle Pigment nach und nach durch ein helles ersetzt (Peterschmitt et al., 2009). Eine Katze, deren Farbe sich langsam enthüllt, wie ein Bild, das erst mit der Zeit sichtbar wird.

Goldfarbene Waldkatze auf einer Wolldecke im KerzenlichtKI-generiert

Ein Wort zur Gesundheit

Die Waldkatze ist eine robuste Rasse, und wie bei jeder Rasse sind einige erbliche Themen gut erforscht. Die Glykogenspeicherkrankheit Typ IV (GSD IV) ist sehr selten und wird rezessiv vererbt. Seit die Ursache im Gen GBE1 bekannt ist, gibt es einen Gentest, mit dem verantwortungsvolle Züchter:innen sie zuverlässig ausschließen (Fyfe et al., 2007). Eine Stammbaumuntersuchung an 871 Waldkatzen spricht außerdem für eine familiäre Veranlagung zur Kardiomyopathie, also zu Veränderungen des Herzmuskels (März et al., 2015). Deshalb lassen gute Zuchtstätten ihre Tiere mit Gentest und Herzultraschall untersuchen. Deine Tierärztin oder Dein Tierarzt weiß, welche Vorsorge zu Deiner Katze passt.

Für große Katzen gemacht

Eine Katze, die bis zu neun Kilo wiegt und sich gern in voller Länge streckt, braucht Dinge, die mit ihr mitwachsen. Diese vier haben wir für Dich herausgesucht. Jeder Link führt direkt zum beschriebenen Produkt bei Amazon, Preise nennen wir bewusst nicht, weil sie sich ständig ändern.

Ein Stamm, der nicht wankt: die RHRQuality Maine Coon Lounge (Werbung). Rund 120 Zentimeter hoch, mit extra dicken Sisalstämmen von 20 Zentimetern Durchmesser und Liegeplätzen, auf denen auch eine große Waldkatze bequem Platz findet.

Für den Blick von ganz oben: der HAPPYPET Kratzbaum „Freddy“ (Werbung). 150 Zentimeter hoch, Natursisal auf 20 Zentimeter dicken Stämmen, gebaut für große, schwere Rassen. Ein Aussichtsposten, wie ihn eine Kletterkünstlerin verdient.

Platz zum Scharren: die Europet Bernina Katzentoilette Jumbo (Werbung), 56 × 70 Zentimeter mit hohem Rand. Große Katzen mögen eine Toilette, in der sie sich ganz umdrehen können, ohne an den Wänden anzustoßen.

Für die Unterwolle: der Bluepet GlanzTanz Entfilzungskamm (Werbung). Seine Zinken gleiten durch langes Fell und lösen kleine Knoten, bevor sie zu Filz werden. Am meisten freut sie sich darüber im Frühjahr, wenn die Winterwolle geht.

Wer mehr über große Rassen lesen möchte, findet hier auch das Porträt der Maine Coon, der amerikanischen Antwort auf dieselbe Kälte.

Was bleibt

Wir können ihr Fell bis zum Schnee zurückverfolgen, ihre Farbe bis zu einem einzigen Gen und ihre Rettung bis zu einem Kater namens Pans Truls. Was sich nicht erklären lässt, ist der Moment, in dem sie neben Dir am Fenster sitzt und hinaus in die Dämmerung schaut, als würde sie etwas sehen, das Dir verborgen bleibt. Vielleicht einen Wald, den es längst nicht mehr gibt. Vielleicht einen Wagen über den Fjorden. Wer weiß das schon so genau.

Weiterlesen: Was das langsame Blinzeln wirklich sagt

Quellen

  1. Fédération Internationale Féline (FIFe) — Rasseprofil Norwegische Waldkatze (NFO). fifeweb.org.
  2. Cat-o-pedia (2022). The Norwegian Forest Cat (Rassegeschichte: Pans Truls 1973, FIFe-Anerkennung 1977, Import USA 1979). cat-o-pedia.org.
  3. Bessant, C. & Cutts, P. (1999). The Complete Guide to the Cat. London: Barron’s. (Skogkatt in der norwegischen Überlieferung, Fellstruktur.)
  4. Peterschmitt, M., Grain, F., Arnaud, B., Deléage, G. & Lambert, V. (2009). Mutation in the melanocortin 1 receptor is associated with amber colour in the Norwegian Forest Cat. Animal Genetics, 40(4), 547–552.
  5. Fyfe, J. C., Kurzhals, R. L., Hawkins, M. G. et al. (2007). A complex rearrangement in GBE1 causes both perinatal hypoglycemic collapse and late-juvenile-onset neuromuscular degeneration in glycogen storage disease type IV of Norwegian forest cats. Molecular Genetics and Metabolism, 90(4), 383–392.
  6. März, I., Wilkie, L. J., Harrington, N. et al. (2015). Familial cardiomyopathy in Norwegian Forest cats. Journal of Feline Medicine and Surgery, 17(8), 681–691.
  7. UC Davis Veterinary Genetics Laboratory — Glycogen Storage Disease Type IV in Norwegian Forest Cats; Amber Coloration in Norwegian Forest Cats. vgl.ucdavis.edu.

Allgemeine Information, keine tierärztliche Beratung. Die Katzenfotos auf dieser Seite sind mit KI erzeugt.